Bad Homburg v. d. Höhe. Am 27. Januar 2026, von 19 Uhr an, stellen zwei bedeutende Forscher in der Villa Wertheimber außergewöhnliche Forschungsergebnisse an Hölderlin – Handschriften seines Spätwerks vor. Mit Spätwerk werden bei Hölderlin nicht die Texte seiner letzten Lebenszeit, sondern die aus seiner Lebensmitte zwischen den Jahren 1801 bis 1806 bezeichnet. In diese Zeit fällt auch sein 2. Homburger Aufenthalt, der von Juni 1804 bis September 1806 stattgefunden hat. Von Homburg wurde Hölderlin aufgrund seines schlechten Gesundheitszustands dann im September 1806 zwangsweise in eine Tübinger Psychiatrie gebracht. Die letzten Lebensjahre verbrachte er im Tübinger Turm. Aufgrund der anhaltenden Gesundheitsprobleme werden diese Jahre für sein dichterisches Schaffen als nicht mehr relevant angesehen.
Die Gedichte des Spätwerks, darunter so berühmte Oden wie „Patmos“, „Brot und Wein“, „Andenken“ oder „Hälfte des Lebens“, gehören dagegen nach gängiger Meinung zum Wertvollsten, was die deutsche Dichtkunst aufzuweisen hat. Der Großteil der Manuskripte zu diesen Gedichten ist im sog. Homburger Folioheft zusammengefasst, das im Eigentum der Stadt Bad Homburg ist.
Lange war in der Hölderlinforschung unklar, in welchem genauen Zeitraum Hölderlin sein Spätwerk, also u.a. die Handschriften zum Homburger Folioheft, verfasste. Um Aufschluss über die Datierungsfrage zu erlangen, initiierte der Sprachwissenschaftler und Mitverfasser der Frankfurter Hölderlin-Ausgabe von D. E Sattler, Dr. Hans Gerhard Steimer, 2024 und 2025 gemeinsam mit Prof. Dr. Oliver Hahn von der Bundesanstalt für Materialforschung- und Prüfung (BAM) in Berlin, die Durchführung einer umfangreichen Röntgenfluoreszenzanalyse an Hölderlin-Handschriften des Spätwerks. Die Forscher standen vor dem Problem, dass Hölderlin seine Gedicht-Manuskripte nie datierte, so dass bisher nur anhand der Lebensumstände grobe Schätzungen zur der Datierungsfrage mit unbefriedigenden Ergebnissen möglich waren.
Jetzt wurde mit der Röntgenfluoreszenzanalyse erstmalig ein naturwissenschaftliches Verfahren angewendet, um zusätzliche Erkenntnisse zu erlangen. Mit der Röntgenfluoreszenzanalyse untersuchten die Forscher in der Württembergischen Landesbibliothek, wo die Hölderlin-Manuskripte und insbesondere das Homburger Folioheft als Dauerleihgabe verwahrt werden, an über 90 Stellen der Gedicht-Manuskripte die Eisengallustinten, mit denen Hölderlin seine Texte schrieb. Im Mittelpunkt der Untersuchung stand das umfangreichste und bedeutendste Manuskript, das ‚Homburger Folioheft‘.
Beim ‚Homburger Folioheft‘ ist umstritten, ob es vor oder nach Hölderlins Aufenthalt in Bordeaux im Jahr 1802 angelegt wurde, und ob der Dichter noch bei seinem zweiten Aufenthalt in Homburg in den Jahren 1804 bis 1806 daran gearbeitet hat. Letztere Frage wird nun durch die Ergebnisse der Röntgenfluoreszenzanalyse geklärt und im Vortrag am 27.01.2026 erstmalig der Öffentlichkeit vorgestellt.
Interessierte Bürgerinnen und Bürger sind herzlich zu der Vorstellung dieser bahnbrechenden Forschungsergebnisse eingeladen. Zur bessern Planung wird um verbindliche Anmeldung unter kultur@193.109.132.10 gebeten.