Indeterminate Line, 1994
Stahl, gerollt, H 274 cm x B 290 cm x T 366 cm
Ausgestellt in “Blickachsen 1“ (1997)
Schenkung der Altana AG an die Stadt
Bad Homburg, 1997
Standort: Kurpark, Ecke Kisseleffstrasse / Kaiser Friedrich Promenade
Über die Linie als grafische Wiedergabe einer mathematischen Gleichung und die Darstellung einfacher mathematischer Informationen wie Winkel, Bögen oder diagonale Linien, gelangte Bernar Venet zur Beschäftigung mit den ‚Unbestimmten Linien‘.
In dieser frühen Arbeit jener Werkgruppe übersetzt er das Gefüge der „Unbestimmten Linie“ in eine unregelmäßige Spiralform. Von der schwungvollen Zeichnung abgeleitet, beginnt die Spirale mannshoch, mit einem engen Schwung aus dem heraus sich zwei etwa gleich große Bögen herausbilden, die über den ersten Schwung hinauswachsen. Im Vordergrund vergrößert sich der letzte Bogen erneut und gewinnt an Raum, um in weitem Abstand zu den übrigen Spiralläufen auf halber Höhe abzubrechen. Diese Dehnung der Linie in den Vordergrund hinein steht sinnbildlich für die weiterzudenkende, sich erweiternde Linie, die wir vom Anfang
bis zu diesem abrupten Ende verfolgen können, wenn wir uns der Mitte dieser kreisförmigen Form gegenüberstellen. Zugleich dient das stützende Element der abbrechenden Linie der Standfestigkeit der Skulptur. Bei derart gestalteten Werken spricht Bernar Venet von der „Energie atomischer Masse“. Jeder gerollte Vierkantstahl hat jeweils eine eigene Dynamik in Form, Größe und Rhythmus und basiert auf einem diminutiven Modell und zeichnerischen Entwürfen. Aus diesen und dem Zufall der letztlich industriellen Herstellung ergibt sich die monumentale Skulptur.